von Reto Vincenz Schweres Gerät für feine Arbeiten

«Flugshow» am Flumserberg – mit einem Super Puma werden an zwei Tagen 340 Tonnen Material von Tannenboden in Richtung Maschgenkamm geflogen. Rund 140 Mal muss der «Riesenvogel» der Heliswiss «kurven», bevor die 20 Stützen für die neue Achter-Gondelbahn an Ort und Stelle montiert sein werden. Am Boden sind zwei Teams im Einsatz, welche die verschiedenen Elemente in Empfang nehmen – eine Millimeterarbeit.

Datum: 09.07.2019

Eher auf der tristeren Seite hat sich das Wetter am Montagmorgen um 8 Uhr auf Tannenboden präsentiert. Den zwei Flugtagen von gestern und heute tut das, mindestens solange keine Nebelschwaden die Sicht verschlechtern, keinen Abbruch. Fast im Gegenteil, denn die Sicherheitsvorkehrungen rund um die 140 Flüge des Super Pumas von Tannenboden in Richtung Maschgenkamm und zurück sind streng. Menschen in der Flugschneise? Undenkbar. Heisst: Der Chrüz-Sessellift steht, mit ihm die Rodelbahn «Floomzer». Auf der Bikestrecke «Red Rock» quietschen zwei Tage lang keine Scheibenbremsen. Sicherheitspersonal steht bereit, um die Wanderwege immer dann zu «sperren», wenn der Riesenvogel am Himmel im Überflug ist. So gerne man auch bei den Bergbahnen Flumserberg viele Gäste im Gebiet hat – für einmal dürfte man nicht ganz unglücklich sein, wenn der ganz grosse Sturm auf das Gelände wegen des Wetters ausbleibt.

Räume für Zuschauer bereit
Was nicht heisst, dass sich ein Besuch am Flumserberg heute Dienstag, am zweiten Tag des Spektakels, nicht lohnt. Im Gegenteil. Bei der Molseralp auf Tannenboden und oben auf der Maschgenkamm-Terrasse, die via Prod-kamm-Sesselbahn und einer leichten Wanderung oder Shuttle erreichbar  ist, sind Zuschauerräume eingerichtet worden. Von dort aus können der Super Puma und die Bodenteams bei ihrer spektakulären Arbeit beobachtet werden. Eine Arbeit, bei der trotz der gigantischen Elemente «Millimeterarbeit» nötig ist, wie Bergbahnen-CEO Heinrich Michel gestern vor den Medien betonte. Die Massen, die dabei bewegt werden, sind gigantisch. Zwischen 8 und 37 Meter hoch sind die Masten, die aus mehreren Einzelelementen bestehen und von den Bodenteams fortlaufend zusammengeschraubt werden. Die schwerste Stütze allein, die Nummer 7, wiegt stattliche 32 Tonnen. 408 Seilrollen werden mit dem Mehrzweckhelikopter AS 332 Super Puma C1 HB-XVY, wie das Ungetüm in Wahrheit heisst, an ihren Bestimmungsort geflogen. «Am Dienstagabend», so Michel, «muss alles so weit bereit sein, dass wir im nächsten Schritt das Seil einziehen können.»

Meilenstein für das Unternehmen
Fertig werden soll die neue Gondelbahn im kommenden Dezember, also dann, wenn die Wintersaison 2019/20 richtig Fahrt aufnehmen wird. An welchem Tag genau, ist noch offen. Dies hängt einerseits vom Fortgang der Arbeiten ab. Der Zeitplan ist sportlich, kann «bis jetzt und trotz ungünstigem Wetter im April und Mai aber exakt eingehalten werden», so Michel. Andererseits wird das auch vom Bundesamt für Verkehr (BAV) abhängig sein, welches die Anlage abnehmen und für den Publikumsverkehr freigeben wird.

Für die Bergbahnen Flumserberg ist die jetzige Investition von rund 27 Millionen Franken ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Die Gondelbahn selber gilt als «Hauptschlagader» durch das Schneesport- und Wandergebiet, dazu wird die Talstation auf Tannenboden umgebaut, neu konzipiert und erweitert. Künftig werden dort ein neues Restaurant und eine Bar auf die Gäste warten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bergbahnen können bald auf eine neue Werkstatt, eine Tiefgarage für Betriebsfahrzeuge und eine Garage für die «Bullys» zählen.

Ein «lokales» Projekt
Und: Die neue Maschgenkamm-Bahn ist auch eine Art Zeugnis für die Leistungsfähigkeit der Sarganserländer Industrie. Einerseits sind sehr viele lokale Unternehmen in den Bau involviert. Andererseits stammt die Anlage selber aus dem Hause Bartholet. Der Flumser Spezialist für Seilbahnbauten hatte sich im Ausschreibungsverfahren ge-gen die beiden anderen grossen Player der Branche durchgesetzt und kann nun seit Längerem wieder ein Projekt am «Hausberg» realisieren. Entsprechend erfreut zeigten sich gestern vor Ort auch die Vertreter der Bartholet-Gruppe, Thomas Spiegelberg und Daniel Fässer. Unter anderem wiesen sie darauf hin, dass es für das tra-ditionsreiche Familienunternehmen enorm wertvoll sei, künftig den Geschäftspartnern direkt vor Ort eine eigene Anlage im laufenden Betrieb zeigen zu können. Dies ist zwar bereits am Pizol möglich, wo Bartholet den Schwammlift realisiert hatte. Bald kann man nun potenziellen Kunden neben jenem Sessellift auch eine «heimische» Gondelbahn präsentieren.

«Maschgenkamm-Bahn in Rekordzeit zur Baubewilligung»

Die Schneesportler am Flumserberg dürfen sich freuen – im kommenden Winter werden sie in einer neuen Gondelbahn die Strecke von Tannenboden auf den Maschgenkamm in nur gut zehn Minuten zurücklegen. Die Bergbahnen haben die grosse Hürde zum Erlangen der Baubewilligung rechtzeitig gemeistert.


Datum: 19. März 2019

Grosse Erleichterung bei den Bergbahnen Flumserberg (BBF): Die Verantwortlichen befinden sich seit wenigen Tagen im Besitze einer gültigen Baubewilligung für ihre neue Anlage von Tannenboden auf dem Maschgenkamm. Die Achtergondelbahn aus dem Hause Bartholet gilt als Hauptschlagader durch das Schneesport- und Wandergebiet am Flumserberg und soll ab Winter 2019/20 bis zu 2400 Personen pro Stunde in nur gut 10 Minuten auf 2000 Meter über Meer befördern.

«Eine Parforceleistung»
Die BBF standen beim Erhalt der Baubewilligung unter enormen Zeitdruck. Gemäss Verwaltungsratspräsident Guido Mätzler sei die «Deadline» praktisch abgelaufen gewesen: «Der enorm knappe Zeitplan für den Bau der Anlage bis zur geplanten Eröffnung im Hinblick auf die Wintersaison 2019/20 hat keinen Platz für Verzögerungen mehr zugelassen. Wäre die Bewilligung jetzt nicht eingetroffen, hätten wir um ein Jahr verschieben müssen».
Mätzler und BBF-Geschäftsführer Heinrich Michel lobten in diesem Zusammenhang die Behörden, darunter die verschiedenen Ämter beim Kanton St. Gallen, dazu die Gemeinde Quarten und die Alpkorporation Mols. Diese hätten eine Parforceleistung erbracht. Michel: «Eigentlich ist es fast nicht möglich, in dieser kurzen Zeit für ein solch grosses Projekt eine Baubewilligung zu erhalten. Es zeigt auch, welchen Stellenwert der Flumserberg als Tourismusdestination mittlerweile für den Kanton hat.»
Tatsächlich hatten die BBF nach Einsprachen von Privatpersonen das ursprünglich geplante Projekt erst im Dezember 2017 begraben und sowohl die Gondelbahn wie auch die Talstation grundlegend neu konzipiert. Bis zum Erhalt der Baubewilligung dauerte es schliesslich nur 15 Monate – eine «beispiellos gute Zusammenarbeit aller involvierten Stellen», wie der Quartner Gemeindepräsident Erich Zoller betonte.

Der Chirchenbachals «Pièce de Résistance
Fast einen Strich durch die Rechnung hätte den BBF der Chirchenbach gemacht. Dieser quert heute unterirdisch die Tannenbodenalp und muss im Zuge der Bauarbeiten offen- und verlegt werden. Dies wiederum machte ein Hochwasserschutzprojekt erforderlich, welches von der Gemeinde Quarten zwischen dem 24. Dezember 2018 und dem 22. Januar 2019 aufgelegt worden ist. Dagegen gingen Einsprachen ein. Erich Zoller: «Damit war der rechtzeitige Erhalt der Baubewilligung für die Gondelbahn der BBF ausgeschlossen, denn die beiden Projekte waren miteinander verknüpft.» Oder einfach gesagt: ohne rechtskräftiges Hochwasserschutzprojekt keine Gondelbahn auf den Maschgenkamm.
Wie Zoller weiter sagte, sei es im letzten Moment gelungen, den Kanton davon zu überzeugen, die beiden Projekte zu entflechten und getrennt voneinander zu behandeln. Zoller: «Das ist ein weiterer ein Beleg dafür, dass man der Tourismusdestination am Flumserberg grossen Stellenwert beimisst.» Weiter sagte Zoller, dass man in St. Gallen auf das Versprechen der Gemeinde Quarten vertraut habe, dass diese das Hochwasserschutzprojekt Chirchenbach auch dann gewissenhaft umsetzen werde, wenn die Baubewilligung für die Gondelbahn unabhängig davon erteilt wird. Diesem Vertrauen gelte es nun, gerecht zu werden.

Auch Alpkorporation bietet Hand
Ihren Teil zur schnellen Lösung beigetragen hat auch die Alpkorporation Mols. Deren Mitglieder stimmten erst vor wenigen Tagen an einer extra einberufenen, ausserordentlichen Bürgerversammlung dafür, den BBF bei der Talstation für Boden der Korporation ein benötigtes Überbaurecht zu gewähren – auch hier hätte ein Nein das Aus für die Bahn bedeutet.

«Am 7. April wird der Schnee schmelzen»

Aufbruchstimmung im Raum Tannenboden: 2019 kann definitiv das erste grosse Projekt, die Gondelbahn auf den Maschgenkamm, realisiert werden. Zudem wird weiterhin an der Realisierung des Heidi Alperlebnis gearbeitet und sind der Bau eines Hotels und einer Tiefgarage geplant.


Es war eine illustre Gesellschaft, die sich da für den «Sarganserländer» auf Tannenboden die Ehre gab. Die Bergbahnen Flumserberg waren mit Verwaltungsratspräsident Guido Mätzler, CEO Heinrich Michel, Verwaltungsrat Hermann Good und GL-Mitglied Michael Ackermann vertreten. Zu ihnen gesellten sich der Quartner Gemeindepräsident Erich Zoller und der Präsident der Alpkorporation Mols, Markus Hug. Gleichzeitig nutzten sie die Gelegenheit, um nach dem Medientermin in der «Molseralp» auf die in Rekordzeit erkämpfte Baubewilligung für die Gondelbahn Maschgenkamm anzustossen.
Dass die Bergbahnen das 26-Millionen- Projekt tatsächlich noch im 2019 realisieren können, das betonte das Sextett mehrfach, sei keine Selbstverständlichkeit. Entsprechend gross war die Freude bei den Keyplayern, welche dafür zusammen gespannt hatten und auf den Support verschiedener Amtsstellen von Bund und Kanton zählen durften.

Sportlicher Zeitplan
Allerdings: Nach dem Erhalt der Baubewilligung ist vor dem Bau der Anlage.
Und diesbezüglich wartet auf die BBF-Verantwortlichen der nächste «sportliche Zeitplan», wie die Zuständigen betonten. Für den Leiter Bahnen und Technik, Michael Ackermann, ist deshalb bereits jetzt klar, dass am 7. April und damit an Tag 1 nach der Schneesportsaison «der ganze Schnee auf Tannenboden schmelzen wird», wie er scherzhaft sagte.
Ackermanns Wunsch ist verständlich. Denn neben der eigentlichen Gondelbahn aus dem Hause Bartholet werden die BBF auch ihre «Zentrale» auf Tannenboden grösstenteils umgestalten. Neu gebaut werden etwa die Talstation der Gondelbahn, eine Garagierungshalle, für deren Fahrzeuge, das Restaurant Kabinenbahn wird, saniert, eine neue Bar erstellt, dazu eine Lagerhalle, eine Tiefgarage für BBF-Mitarbeiter, eine Werkstatt und eine Garage für die 17 Pistenbullys der Bergbahnen. Die «Jungfernfahrt» der neuen Anlage soll dann rechtzeitig auf die Wintersaison 2019/2020 erfolgen.
CEO Heinrich Michel betonte, dass der Neubau der Maschgenkamm-Bahn für die BBF von essenzieller Bedeutung sei. Die Finanzierung sei gesichert, man freue sich zudem sehr, dass man den Auftrag an die Bartholet AG in Flums und damit in die Region habe vergeben können. Erich Zoller sagte, es sei eine «grosse Freude», dass das Projekt realisiert werde. Die BBF seien eine wichtige und verlässliche Stütze für die gesamte Region.

Bald Neuigkeiten zu Alpererlebnis und Beherbergung

Einer der entscheidenden Player bei der Entwicklung des Raumes Tannenboden bzw. beim dafür erstellten Masterplan ist die Alpkorporation Mols. So ist sie eine bedeutende Bodenbesitzerin vor Ort und hat sie mit dem Heidi Alperlebnis eines der matchentscheidenden Projekte angestossen. Auch für den Bau der Maschgenkammbahnen bot sie Hand. Etwa, in dem sie vor wenigen Tagen extra eine ausserordentliche Bürgerversammlung einberief, um über die Abtretung eines Überbaurechtes zu befinden, das die BBF benötigten. Gemäss Alpkorporationspräsident Markus Hug hätten die Mitglieder zugestimmt. Wichtig sei ihnen dabei gewesen, dass die neue Talstation optisch und funktionell bereits auf die noch zu realisierenden Projekte im Raum Tannenboden abgestimmt wird. Dies sei auch der Fall.

Hug bestätigte, dass die Alpkorporation zusammen mit den Partnern vor Ort die nun koordinierte Suche nach einem Investor für das Heidi Alperlebnis und einem Beherbergungsbetrieb vorantreibe. Nachdem die Bürger im Juni 2018 eine Eigenfinanzierung des Alperlebnis abgelehnt hatten, habe man das Projekt wegen der neuen Ausgangslage überarbeiten müssen. Das sei jetzt abgeschlossen und man werde in Kürze informieren, wie der Zeitplan nun aussehe. (rv)